Richtlinie / Themenfeld: Förderung sozialer Innovationen

Handlungsfeld: Modellprojekt

Region: Landkreis Dahme-Spreewald

Zielgruppe: Langzeitarbeitslose

Projektzeitraum: 01.10.2019 - 30.09.2021

Ausgangssituation / Problembeschreibung:

Personen mit gebrochenen oder fehlenden Berufsbiographien leiden an fehlenden positiven Selbstwirksamkeitserfahrungen. Positiverfahrungen zur Selbstwirksamkeit sind jedoch prägend und unabdingbar für die Beschäftigungsfähigkeit Einzelner. An vielen Orten fehlt es an adäquaten Angeboten, um der Zielgruppe einen Zugang zum Arbeitsmarkt zu ermöglichen.

Zieldarstellung:

Hauptziel des Projektes war es, neue Strukturen und Methoden zu entwickeln und zu erproben, um Jugendliche und junge Erwachsene mit gebrochenen bzw. nicht vorhandenen Erwerbsbiographien besseren Zugang zu beruflicher Orientierung, zu Zuverdienstmöglichkeiten und zu beruflicher Erfahrung zu ermöglichen.

Weitere Ziele:

  •     Verbesserung der Beschäftigungsfähigkeit und Integration von Benachteiligten in Erwerbsarbeit
  •     Erprobung neuer Methoden und Prozesse zur Verbesserung der Erfolgsquote solcher Maßnahmen
  •     Erhöhung der Selbstwirksamkeitserwartung von Teilnehmenden und damit Aufbau von Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten und Stärkung von Selbstkompetenz und Selbst-Empowerment
  •     Steigerung der Lernfähigkeit durch Lernen in sozialen Netzwerken
  •     Schaffung dauerhafter neuer Erwerbs- und Zuverdienstmöglichkeiten in Lieberose OT Jamlitz
  •     Steigerung der Chancengleichheit und aktiven Beteiligung
  •     Beitrag zur Fachkräftesicherung in der Land- und Ernährungswirtschaft
  •     Einführung von Struktur- und Prozessinnovationen in die Beschäftigungspolitik
  •     Schaffung von Bleibeperspektiven für junge Erwachsene im ländlichen Raum und neue Impulse gegen den Strukturwandel
  •     Aufbau eines regionalen Lern-, Integrations- und Beschäftigungs-Netzwerks

Umsetzung / Aktivität / Lösungsansatz:

Im Rahmen des Modellprojekts „Doing LiebeRose“ wurde die Organisation, Umsetzung und Evaluation einer Modellphase umgesetzt. Die Aufgabe des Modellprojektes war es, Methoden der Unterstützung des Lernens, des Empowerments und der kooperativen Arbeitsorganisation für eine erfolgreiche Umsetzung einzuführen und zu erproben. „Doing LiebeRose“ ergänzte das Gesamtprojekt um den Baustein einer Prozessentwicklung- und -begleitung und verantwortet, basierend auf den Erkenntnissen aus der Prozessbegleitung, die Entwicklung neuer Bildungsformate und Arbeitsmodelle sowie von Integrationsmethoden in primär landwirtschaftliche Tätigkeiten.

Das Modellprojekt „Doing LiebeRose“ verfolgte einen sowohl struktur- als auch prozessinnovativen Ansatz zur Verbesserung der Beschäftigungsfähigkeit und Integration von benachteiligten Personengruppen. Die Strukturinnovation basiert auf der Unterstützung der Einführung von neuen, regional eingebundenen Beschäftigungsangeboten in Jamlitz (Lieberose). Dazu gehören in erster Linie die neuen Beschäftigungsmöglichkeiten im Rahmen des landwirtschaftlichen Betriebs, den Karuna eG gründen möchte. Dabei handelt es sich um alle anfallenden Tätigkeiten von Pflanzen, Jäten, Pflegen, Ernten bis zu Verarbeiten und Verkaufen der Produkte, außerdem im geringen Maße auch Tierhaltung und Verkauf der tierischen Produkte (Eier, Milch, Wolle). Diese neuen Beschäftigungsmöglichkeiten in der direkten sozialen Umgebung der Zielgruppe waren eine wesentliche Voraussetzung für Wirkungen, die im Folgenden als Prinzipien der Prozessinnovation beschrieben werden.

Wesentliche Leistung des Modellprojektes „Doing LiebeRose“ war die Gestaltung und Erprobung der Lern- und Arbeitsprozesse für die oben beschriebenen neuen lokalen Zuerwerbsmöglichkeiten. Der prozessinnovative Charakter des Modellprojektes stellte sich über drei wesentliche Prinzipien dar, die ineinander übergingen bzw. miteinander im Zusammenhang standen:

1. Ermöglichung und Steigerung der Selbstwirksamkeitserwartung durch Herabsetzung der Schwelle zur Erwerbsarbeit (Work-First-Ansatz)
2. Steigerung der Motivation und Identifikation durch sinnstiftende und wertschätzende Arbeit (New-Work-Ansatz)
3. Verbesserung der Lerneffekte durch Lernen als Teilhabe an und in sozialen Praxen (Communities-of-Practice-Ansatz)
Ergebnisse / Erfolge:

Die Umsetzung der Projektidee war erfolgreich. Es ist gelungen, einen funktionieren Gartenberieb als soziale Landwirtschaft angeschlossen an den sozialen Träger Karuna eG aufzubauen.

Besonders wichtig für den Erfolg war die Einführung bestimmter Qualitäten des Gartenbetriebs:

  •     breites Lern- und Kompetenznetzwerk in der Region zur Unterstützung und Kompetenzaufbau
  •     die Arbeit auf Augenhöhe, das bedeutet eine Kommunikation und Gartenarbeit auf Augenhöhe, ein auf Gleichheit und Respekt beruhender Umgang miteinander
  •     Schaffung sinnstiftendender und wertschätzender Arbeit, die Erfolgserlebnisse vermittelt und das Selbstbewusstsein stärkt zur Steigerung der Motivation und Identifikation
  •     Herstellung einer respektvollen Umgebung als sicherer Ort und Schutzraum für junge Menschen, die früher emotionale, verbale und sexualisierte Gewalterfahrungen gemacht hatten
  •     Sicherstellung eines respektvollen, wertschätzenden, Aufmerksamkeit gebenden und unterstützenden Umgangs für eine positive Beziehungsarbeit, positive Beziehungsmuster, Steigerung des Sicherheitsgefühls und die Verbesserung der Entwicklungsmöglichkeiten
  •     Einführung von Strukturen und Routinen wie feste Gartenarbeitszeiten, gemeinsame Planungstreffen und Besprechungen geben Sicherheit und steigern die Motivation und Identifikation
  •     Schaffung eines therapiefreien Raums als ein Gegenort zur Auseinandersetzung mit den eigenen Fehlern – als Ort mit    positiven Erfahrungen, Wertschätzung auch kleiner Erfolge sowie Gemeinschaftlichkeit und Freude.
  •     Aufbau eine Lern- und Kompetenznetzwerks zur Ermöglichung von sozialem Lernen und damit der Verbesserung der Lerneffekte
  •     Peer Involvement als Vermittlungsposition zwischen Team und Teilnehmenden zur Unterstützung beim Aufbau von Vertrauen und Empathiesteigerung

 

Die Teilnehmenden fühlten sich sehr gewertschätzt und akzeptiert im Gartenprojekt. Viele haben in Gesprächen betont, dass sie sich in dem Gartenprojekt im Gegensatz zu vielen anderen Orten nicht verurteilt fühlten für ihre Vergangenheit oder soziale Lage.

Positiv ist auch herausgestellt worden, dass kein Druck aufgebaut wurde und die Intensität der Teilnahme selbständig flexibel gewählt werden konnte.

Die Teilnehmenden wertschätzten sehr die Möglichkeiten, Entscheidungen und Entwicklungen des Gartenbetriebs maßgeblich mit beeinflussen zu können. Die Einbeziehung in Entscheidungsfindungsprozesse wurde sehr positiv gesehen und hat zu einer Erhöhung der Identifikation mit dem Garten beigetragen. Auf diese Weise ist das Projekt zu ihrem Projekt geworden, dass sie mit stolz Besuchern vorstellten.

Für den Träger Karuna e.V. und Karuna eG bot die soziale Landwirtschaft eine sinnvolle Ergänzung im Rahmen der Sozialarbeit. Es hat sozialpädagogischen Möglichkeiten erweitert und eine Begleitung der Bewoherinnen und Bewohner des Wohnprojektes in das Berufsleben verbessert. Neben der Mitarbeit im Wohnprojekt lernten die Teilnehmenden hier ein weiteres Betätigungsfeld kennen, dass sie auf eine spätere Ausbildung im landwirtschaftlichen Bereich vorbereitete.

Dieses Projekt wird durch das Ministerium für Wirtschaft, Arbeit und Energie aus Mitteln des Europäischen Sozialfonds und des Landes Brandenburg gefördert.