Richtlinie / Themenfeld: Integrationsbegleitung für Langzeitarbeitslose und Familienbedarfsgemeinschaften

Handlungsfeld: Unterstützungsmodul im Familienkontext

Region: Landkreis Elbe-Elster

Zielgruppe: Langzeitarbeitslose

Projektzeitraum: 01.08.2015 - 31.01.2018

Ausgangssituation / Problembeschreibung:

In vielen Familienbedarfsgemeinschaften wird die „Ehegemeinschaft“ als das klassische Familienmodell nicht mehr gelebt. Vielmehr besteht die Familien-BG eher aus „Mutter-Vater-Kindern“, letztere oft aus verschiedenen vorherigen Paarbeziehungen mit anhängigen weiteren Elternteilen. Es entstehen schwierige Beziehungskonstellationen, die mittels eines Genogramms übersichtlich dargestellt werden können.

Zieldarstellung: 

Ziel der Genogrammarbeit ist es, durch grafische Darstellung einen übersichtlichen Einblick in die familiären Zusammenhänge mittels Symbole zu erhalten. Es werden sowohl die Familienmitglieder, als auch deren Beziehungen zueinander dargestellt. Dieses Unterstützungsangebot richtet sich sowohl an Alleinerziehende, als auch an Paarbedarfsgemeinschaften und ihre Kinder.

Umsetzung / Aktivität / Lösungsansatz: 

Ausgangspunkt des Genogramms sind die Teilnehmenden und ihre Herkunftsfamilie. In einem Genogramm werden in der Regel bis zu 3 Generationen dargestellt, die durch Symbole gekennzeichnet werden: Kreis-Frauen, Mädchen Viereck-Männer, Jungs.
In das Symbol oder daneben können sowohl das Geburtsdatum/Alter aber auch die Namen, der erlernte Beruf/die aktuelle Tätigkeit eingetragen werden.
Beziehungen der Familienmitglieder zueinander werden durch Linien gekennzeichnet (siehe Grafik), wie z.B.:

  • geschlossenen Linie mit Symbol Ringe = Ehe
  • durchbrochene Linie = Partnerschaft
  • Zickzack Linie = gestörte Beziehung/Konflikte
  • geschlossenen Doppellinie = sehr enge Beziehung
  • Symbol / = Trennung
  • Symbol // = Scheidung

Die Zeitachse in einem Genogramm führt stets von links nach rechts, d.h. ältestes Kind rechts, jüngstes Kind ganz links. Männer/Väter stehen grundsätzlich rechts. Ist ein Familienmitglied verstorben, wird das Symbol durchkreuzt und das Todesdatum wird dazugeschrieben. Ist ein Kind ein Halbgeschwisterkind, wird das Symbol zur Hälfte ausgemalt. In der horizontalen Ebene wird das Familiensystem dargestellt, in der vertikalen Ebene findet sich die Abstammung, die Vorfahren wieder.

Genogramme können sowohl mit Einzelpersonen, aber auch im Beisein der ganzen Familie entwickelt werden. Auch Kinder können das Genogramm mitgestalten und sind sehr stolz, wenn sie sich mit einem festen Platz in der bildlichen Darstellung wiederfinden.

Ergebnisse / Erfolge: 

Welchen Nutzen bringt ein Genogramm für die Beteiligten?

Für den Integrationsbegleiter stellt das Genogramm eine Art roten Faden in der Anamnese dar. Mit dessen Aufstellung kann er sich sehr schnell in das Familiensystem einlesen und stellt so den Zugang zu allen Familienmitgliedern her. Es erleichtert die Gesprächsführung und verhindert das Vergessen wichtiger Informationen. Das Genogramm ist so eine soziale Informationsbasis und gleichzeitig ein Gesprächsprotokoll. Es hilft Störungen und Probleme zu erkennen und gezielt mit den Klienten daran zu arbeiten.

Den Klienten hilft das Genogramm bei der Selbstorientierung. Es zeigt das Familienleben auf und die emotionalen Bindungen der einzelnen Familienmitglieder. Letztere werden durch ihn bewertet. Dabei setzen sich die Klienten intensiv mit diesen Beziehungen auseinander. Oftmals verändert sich durch die soz-päd. begleiteten Gespräche über diese Beziehungen die Wahrnehmung des Klienten und er ordnet das Erlebte neu ein. Er erkennt Missverständnisse, klärt komplizierte Familienbande und kann unter Umständen auch wieder an abgerissene Familienbande anknüpfen. Dadurch werden ihm Zusammenhänge klarer und auch Musterwiederholungen sichtbar. Ihn belastende Themen können stressfreier angesprochen werden.

Gemeinsam mit allen am Genogramm beteiligten Personen können Ressourcen in der Familie sichtbar gemacht werden. Es können Problembeschreibungen abgeleitet und Lösungswege gemeinsam erarbeitet werden. Diese werden im Genogramm festgeschrieben. Dabei werden Aufträge für die einzelnen Partner ausgelöst und deren Erfüllung anhand der Zuhilfenahme des Genogramms überprüft und gleichzeitig die Wirkung innerhalb des veränderten Beziehungsgefüges aufgezeigt. Ein Genogramm kann immer wieder in die Arbeit des Integrationsbegleiters mit dem Familiengefüge einbezogen werden. Es können in kleinteiligen Schritten Erfolge sichtbar gemacht werden.

Teilnehmende, mit denen die Genogrammarbeit durchgeführt wurde, empfinden diese bildliche Darstellung ihrer Familienkonstellation bzw. ihres Beziehungsgefüges als sehr anschaulich und hilfreich. Sie erkennen teilweise sehr schnell ihre „Störstellen“ und es fällt ihnen dann auch leichter darüber zu reden. Sie sind schneller bereit, gemeinsam mit dem IB Problemlösungsstrategien zu entwickeln bzw. Hilfe von Unterstützungsangeboten anzunehmen. Die Kinder fühlten sich als gleichberechtigte Partner, da sie „angehört“ wurden und ihre Sicht der Dinge einbringen durften. Das Aussprechen des Problems war für sie der Anfang, um gemeinsam nach Lösungen zu suchen und gewertschätzt zu werden.

Dieses Projekt wird durch das Ministerium für Wirtschaft, Arbeit und Energie aus Mitteln des Europäischen Sozialfonds und des Landes Brandenburg gefördert.